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Ich stimme vollkommen damit überein, dass sich Philosophie nicht auf hochspezialisierte Diskurse in analytischer (Sprach-)Philosophie und Philosophiehistorie einerseits und pragmatische Banalitäten andererseits beschränken darf, wenn sie noch etwas zu sagen haben will in unserer Zeit, sondern erneut zu einem innovativen Philosophieren über die Herausforderungen unserer Tage kommen muss. Wenn ich mir die Entwicklungen der letzten Jahre zum Beispiel in der viel geschmähten nordamerikanischen Philosophielandschaft vor Auge halte, bin ich gar nicht mal so skeptisch, dass Philosophie sich in ihrer tief greifenden Verfasstheit wieder selbst ernst nimmt. Am Rande: Man sollte sich wohl nicht von den bedeutenden Werken aus der philosophischen Vergangenheit blenden lassen. Auch früher gab es viel Epigonentum, akademischen Dünkel und schulmeisterliches Biedertum. Nur waren die Produktionsweisen und Kommunikationswege anders, so dass wir weder damals und erst recht nicht heute so einfach davon erfahren (hätten).
Ich zweifle aber stark, ob redliches Philosophieren je mit "Schöngeist" und "großer Sprache" zu tun hatte und haben kann. Und was sind denn die "bewährten Sitten" in einer pluralen Welt, wann, wo, wodurch und für wen haben sie sich bewährt und wer entscheidet darüber, dass oder ob sie sich bewährt haben? "Bewährt" kommt von "wahr", und Wahrheiten scheinen mir sehr relativ zu sein.
Ich glaube vielmehr, Philosophie sollte auf Sprachgewalt und rhetorisches Getöse tunlichst verzichten, statt dessen in "kleinen Wörtern" reden, die auch tatsächlich begründet sagbar sind, und sich damit bescheiden, dass vieles (das meiste) offen und unverstanden bleibt. Zumindest darin scheinen ja die analytische und die jüngere französische Philosophie übereinzustimmen, so sehr sie sich sonst auch bekriegt haben mögen. Und Philosophie sollte sich nicht scheuen, selbst in den Dreck zu steigen und sich von oben bis unten schmutzig zu machen. Was schön ist, wissen wir erst, wenn wir das Hässliche nicht meiden. Und, dies scheint eine alte Erfahrung zu sein, was hässlich scheint, erscheint im rechten Licht betracht schöner als vieles zuvor Gesehene (um in der Metapher zu bleiben). Dagegen bleibt die schöngeistige Onanierlust doch arg selbstbezogen.
Beste Grüße Bertold Bernreuter
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