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deutsch  Erklärung zu "Wiederbelebung des Philosophischen Schöngeistes"

Roger Pfau: emailropf@leute.server.de, 31.07.2002, 16:09
external linkhttp://leute.server.de/ropf
Original: deutsch  Erklärung zu "Wiederbelebung des Philosophischen Schöngeistes" (Hans-Ulrich Pistor), 17.03.2002, 04:12



Sehr geehrter Herr Pistor

Ihre 2 Texte wimmeln ja von "sollen", "müssen", "dürfen" u.dgl. mehr. Wenn ich fragen darf: woher wissen Sie das alles? Womit wollen Sie mich
überzeugen, wenn ich Ihren Wertüberzeugungen ein entschiedenes "Nein" entgegensetze?

Wie kommen Sie zu einem Satz wie "Die eigene Entfaltung, die Wahrung der Würde des Nächsten und solidarisches Verhalten sind Begriffe, welche überall auf der Welt als gesellschaftliche Leitsätze gelten."? Verzeihen Sie, ich sehe das nicht. Ich sehe überall auf der Welt das Wirken von Maßnahmen, deren wesentliche Zielsetzung die Schaffung, der Erhalt und der Ausbau von individuen- und gruppenbezogenen Privilegien ist, mit Mitteln, die Krieg jederzeit in Kauf zu nehmen bereit sind.

Wie kommen Sie zu einem Satz wie "Unsere Demokratie verdanken wir allerdings zu einem erheblichen Teil des damaligen Gerechtigkeitssinnes und Weitblickes der griechischen Philosophie."?
Weil das Archontat aus Gründen der politischen Zweckmäßigkeit auch der dritten Klasse eröffnet wurde, stellen Sie schon Demokratie fest? Was ist mit den Sklaven, jenen "lebenden Werkzeugen", wie Aristoteles unter allgemeinem Beifall definieren konnte? Sind die 80% Bevölkerungsanteil, den diese Kaste z.B. im Athen des Sokrates innehatte, in Ihren Augen nur ein nebensächliches Phänomen, das den "Gerechtigkeitssinn und Weitblick" der damaligen griechischen Philosophie nicht berührt -  vielleicht nach dem Motto "Cheops baute die Pyramide"?

"Die interkulturelle Philosophie baut auf weltlichen Gemeinsamkeiten auf; zu nennen ist der Wert der Verständigung und des Konsenses." Mag sein. Aber wo sehen Sie realiter einen verwirklichten "Wert der Verständigung" oder gar einen Konsens als "weltliche Gemeinsamkeit"? Sind Sie davon überzeugt, daß die Proklamationen für die tatsächlichen Absichten stehen? Mir scheinen es Werkzeuge zur Verschleierung der wirklichen Absichten zu sein. Die "große Sprache" und der "philosophische Schöngeist" waren für diese Verschleierung schon immer und seit jeher geignete Mittel.

Ihre Weltsicht scheint mir hochgradig idealistischer und idealisierender Natur zu sein. Das ehrt Sie zwar als Mensch, scheint jedoch den Phänomenen menschlicher Wirklichkeit recht wenig angemessen zu sein.

Mit freundlichem Gruß
Roger Pfau