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deutsch   Which Language / Idioma / Sprache?

Peter Ebner_Clementschitsch: emailpebner@utanet.at, 12.01.2001, 16:33
Original: español  Which Language / Idioma / Sprache? (Bertold Bernreuter), 09.01.2001, 19:03



Lieber Bernhard Bernreuter, lieber Stefan Münz,

nun scheint es mir angebracht auf Deutsch zu antworten, da es mir selbst doch am leichtesten fällt und ich es ja mit zwei Diskussionspartnern derselben Muttersprache zu tun habe. Vielen Dank für die Stellungnahmen.
Mir ist gewiss die Problematik der Sprache bewusst,im besonderen in philosphischer Hinsicht, in der korrekte Begrifflichkeit von vorrangiger Bedeutung ist. Diese in andere Sprachen und somit auch in andere Kulturen zu übersetzen führt zwangsläufig zu Missverständnissen. Ich habe z.B. in meinem kurzen, nicht sehr ausdifferenzierten Diskussionsbeitrag den Begriff der Globalisierung verwendet, der durch seine begriffliche Vielschichtigkeit, sehr leicht zu Fehlinterpretationen führen kann. Dabei ist mir in der relecture meiner Forderung nach "other forms of globalization" in der Antwort Bernhards die "potentielle Missverständlichkeit" dieser Aussage aufgefallen.

Trotzdem denke ich mir mit der englischen Sprache ein grössere Ziel- und Interessensgruppen aus verschiedenen Kulturen der Erde zu erreichen, als dies in anderen Sprachen zur Zeit möglich ist. Würde ein interkultureller Dialog auf chinesisch geführt, so könnten rein theoretisch über eine Milliarde chinesischsprechender Personen daran teilnehmen, der Nutzen für kulturellen Gedankenaustausch aber gering bleiben. Ein vorrangiges Ziel sollte meiner Ansicht sein, weltweit eine höchstmögliche Anzahl an potentiellen Diskussionspartnern miteinzubeziehen. Dies bedeutet nicht die ausschiessliche Verwendung von Englisch! Meine Argument ist natürlich sehr pragmatisch begründet. Diese Pragmatik steht in einer relativen Konkurrenz zur Semantik, in der die wesentliche Bedeutung eines Zeichens, Gedankens, Textes, philosophischen Ansatzes, oder einer religiösen Lehre o.ä.im Vordergrund steht.
Ich stimme Ihnen zu, dass die Artikulierung des eigenen Denkens und der kulturellen Eigenart in einer fremden Sprache ein schwieriges Unterfangen ist:
"sólo con dificultad se puede articular el pensamiento de los integrantes de una cultura en un idioma ajeno, además si partenecen a una cultura muy distante"
Aber es kann auch als ein möglicher Weg gesehen werden einen Schritt auf andere zuzugehen und die Kommunikation so zu erleichtern. Ich argumentiere aus der Sicht eines Österreichers, der Deutsch spricht und der sich bewusst ist, dass diese Sprache im Vergleich zu Englisch und Spanisch für die Mehrheit der Weltbevölkerung schwieriger zu sprechen und zu verstehen ist. Und ich bin interessiert an Meinungen, Positionen und Gedanken aus der ganzen Welt. Es macht vergleichsweise weniger Sinn, wenn sich Österreicher und Deutsche mit sehr ähnlicher Sprache (wir sprechen wahrscheinlich nicht denselben Dialekt), Vergangenheit und Kultur über - sagen wir mal - afroamerikanische Religionen im Internet austauschen, als wenn sich ein/e direkte/r Repräsentant/in einer solchen Religion zu Wort meldet. Die Wahrscheinlichkeit, eine Antwort zu bekommen wird sehr gering sein, wenn ich den "Willen zur Übersetzung" meiner Muttersprache nicht habe. Erst in der "sprachlichen Grenzüberschreitung" wird interkultureller Dialog möglich. Wenn eine gemeinsame sprachliche Basis geschaffen wird, beziehungsweise die bereits vorhandene genutzt wird.
Für die englische Sprache spricht meiner Ansicht nach
1.)dass sie in vielen  Ländern der Erde offiziell gesprochen wird.
2.)dass sie nicht nur in Östereich als erste Fremdsprache in den Schulen gelehrt wird.
3.)dass es sich dabei vorrangig um eine "Verkehrssprache" handelt, und dadurch kultureller Austausch erleichtert wird.

Ich möchte mein erstes Statement dahingehend differenzieren:  Ich trete keinesfalls für die alleinige Verwendung des Englischen ein, was ich auch nicht behauptet habe. Alle Sprachen sollen Platz haben. Meine Intention liegt nicht in der Forcierung der englischen Sprache mit kolonialistischen und hegemonialen Interessen, sondern ich frage mich, wie kann kultureller Austausch erleichtert und Verstehen überhaupt erst ermöglicht werden. Wir kommen diesbezüglich um diese Sprache nicht herum, was ja letztlich auch www.polylog.org beweist.
Vielleicht motivierte mich auch der leider sehr schleppende Anfang dieses Dialogforums, dieses Statement abzugeben, sozusagen, um es für eine breitere Plattform zu öffnen.

Und nochetwas: Ich wehre mich gegen jede Art von kultureller Vereinnahmung, die gewiss zu einem Grossteil über die Sprache sich vollzieht. Und wir leben in einer "Zeit der Nordamerikanisierung" unserer Kultur (Nahrung, Unterhaltung, Arbeit, Freizeit, ...), die sich in Begriffen ausdrückt. Man denke nur an die jüngsten Unwörter wie "Happy X-mas" "tnx" u.s.w.  Ja vielleicht handelt es sich  um die neue "Conquista", die zwar unblutig und schleichend voranschreitet, aber trotzdem immense Kraft und massive Auswirken mit sich bringt. Würden wir uns aber der englischen Sprache entziehen, so könnten wir dieser kulturellen Entwicklung noch weniger entgegnen.
Lieber Bernhard Bernreuter Englisch und Spanisch sind Sprachen der Conquista - der Eroberung, der Vereinnahmung und der Zerstörung. Aber auch jede andere Sprache hat meiner Ansicht nach ein "gewalttätiges Potential".
Zudem zweifle ich manchmal an der an der Durchführbarkeit eines "gewaltfreien Diskurses". Trotzdem sehe ich das Projekt "Polylog" sehr positiv und notwendig als einen Beitrag zur Vervielfältigung der Diskurse, die ein besseres Bewusstsein für die extremen Problme unserer Welt schaffen können. Vielleicht kann daraus sogar solidarisches Handeln gedeihen.  

Liebe Grüsse
Peter Ebner-Clementschitsch