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deutsch  Sinnsuche

Lumir: emailluxlumir@gmx.de, 17.11.2001, 16:11



Hallo Forum!

Ein Gedankengang zur Sinnsuche.
Ich denke, jeder Mensch ist auf der Suche nach Gedankeninhalten, die seinem Leben Sinn geben. Nun ist in der heutigen technischen Welt die Funktion der klassischen Religionen überholt, b.z.w. verbinden viele Menschen mit Begriffen wie "Gott" sofort z.B. die Institution "röm.-kath.-Kirche" und verneinen daher jede diesbezügliche Aussage vehement. Glücklich werden sie dabei nicht, zumindest hat es nicht den Anschein.
Hier der Versuch eines Findungsprozesses:

   Jeder Mensch hat einen inneren Glauben, eine Zielrichtung, Prioritäten, an denen er sein Leben ausrichtet -ob zum Guten oder Schlechten.
   Diesen inneren Glauben, gleich welcher Art, bezieht er nicht aus dem Nichts, er bildet ihn vielmehr selbst, indem er viele verschiedenartige Ansätze des Denkens und Glaubens studiert, gegeneinander abwägt und schließlich die eine und/oder andere Essenz aus verschiedenen Glaubenssystemen -weltlicher wie geistiger Art- als für ihn gut und richtig anerkennt. Er geht hierbei nicht dogmatisch vor, sondern bleibt in seinem Denken stets flexibel und offen. Daraus resultiert dann eine persönliche Religion; ob mit Gott oder ohne spielt keine Rolle.
   So könnte der erste Akt der Entwicklung etwa ein Leben nach dem kategorischen Imperativ von Kant sein. Grob vereinfacht also überprüfte er sein Handeln in dem Sinne: "Wenn das, was ich tue, jeder täte, wäre das der Menschheit (im Ganzen) zum Guten?" Indem er den Gedanken vertiefte, und indem er sein Denken und Handeln dahingehend lenkte, ob eine Gemeinschaft am Besten funktioniere, wenn ein jeder egoistisch nur an sich selber dächte, oder stets auch das Wohl des anderen im Auge habe, würde er selbst bescheidener in seinen Ansprüchen und besorgter um das Wohl des Nächsten.
   Er könnte desweiteren zu verschiedenen Verhaltensmustern kommen, die sich besonders für eine Gemeinschaft als förderlich erweisen, etwa:
>Wahrhaftigkeit, Rechtschaffenheit, Friedfertigkeit, Gewaltlosigkeit<
Nach diesen sich ausrichtend würde er sich und sein Denken läutern; alles immer noch ohne Gott, rein nach dem Gedanken: "Wie könnte die Menschheit noch ein paar Jahrtausende überleben, denn wie es momentan läuft, geht es wohl nicht so gut..."
   Er könnte erkennen, daß der größte und einzige Feind eines jeden Menschen sein eigener Haß ist, den er stets mit sich trägt, dem er nie entkommen kann, und den es daher unbedingt zu beherrschen gilt. Und schliesslich, oder zwischenrein, könnte er als grösstes und erstes Gebot, das alle anderen auf diesem Weg includiert, das der reinen, selbstlosen Liebe erkennen.
   Er würde auf seiner Suche stets nach Idealen und Vorbildern streben. Er suchte Verständige, Weise, Meister, fände sie, und so er selbst die Qualitäten dieser erlangt hätte suchte er spätestens dann ein Ideal über dem des höchsten menschlichen Seins.
Gefragt, wonach er suche, würde er nun sagen: "Gott!"

   Der eine: "Wenn du nach deinem Tod feststellen solltest, daß das alles nicht wahr ist, dann stinkts Dir sicher, nicht dies und das getan zu haben!" Der andere: "Wenn das alles nicht wahr ist, stinkt mir nach meinem Tod garnichts mehr. Aber, wenn das alles wahr ist, stinkts dir nach deinem Tod sicher, dies und das getan zu haben!"
   (Man könnte dieser letzten Argumentation sicherlich vorwerfen, angstschürend zu sein, in dem Sinn, als es die Institution röm.-kath.-Kirche betreibt. Dies liegt mir jedoch fern!
   Da ich meine innere Wahrheit in erster Linie an der tibetischen Form des Buddhismus ausrichte, gilt für mich von je her das Gesetz der Wiedergeburt, und von daher steht es jedem Menschen frei, in seinen Leben diese oder jene Erfahrungen zu machen, ohne dafür in alle Ewigkeit in der Hölle schmoren zu müssen. Er bekommt stets aufs neue die Chance in einem weiteren Leben, eventuell erkannte Fehler in seiner Haltung und Einstellung zu verändern.
Allerdings wird dabei sein Karma [Wirkung aufgrund vergangener Taten] ausschlaggebend dafür sein wie und unter welchen Umständen er wieder auf der Welt inkarniert.)

Lumir