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Hallo Marco!
Ich würde sagen, mit Philosophie kann man alles und nichts machen. Die klassische Karriere eines Philosophen ist sicherlich die Unikarriere. Es muss jeder selbst wissen, ob er sich von dem universitären Kindergarten mit Kollegenneid, Intrigen und Machtspielchen abhängig machen möchte. Zudem gibt es in Deutschland momentan an die 100 habilitierte Philosophen auf Arbeitssuche. Die wenigen, die's tatsächlich zum Professor gebracht haben, haben sicherlich einen faszinierenden Beruf. Aber bis sie 40 sind, haben sie keinen guten Stand in der Sklavenhaltergesellschaft der Universität, und nur wenige schaffen mit viel Glück und guten Beziehungen den Sprung auf den Professorenstuhl. Leistung alleine reicht da im Normalfall leider nicht.
Alternative zur Unikarriere ist der Lehrberuf (an Schulen). Die Stellen für Philosophen sind wohl auch da eher rar; es gibt allerdings in manchen Bundesländern (wie etwa in Sachsen und Thüringen) ein grundständiges Ethikstudium. Entscheidungskriterium für das Lehramt sollte neben dem fachlichen Interesse vor allem die Bereitschaft und Fähigkeit sein, ein Leben lang (im 45-Minuten-Takt) mit oft schwierigen Kindern und Jugendlichen, die häufig alles andere im Kopf haben, als irgendwelchen philosophischen Ideen nachzuhängen, umgehen zu wollen.
In Deutschland noch nicht so etabliert ist das "Philosophical Counseling". Davon mag man halten, was man will, meine Sache wäre es nicht, irgendwelchen überdrehten Managern die Selbstverständlichkeiten des Lebens nahezubringen.
Bleiben die vielen "Nischen", in denen die Mehrzahl der Philosophiestudenten unterkommt: Verlagswesen, Journalismus, Erwachsenenbildung, Verbände, Werbung, neue Technologien usw. Da hängt vieles von der Wahl der Nebenfächer ab. Mit einer Kombination Philosophie, Sinologie, BWL wirst du sicherlich auch für manches Wirtschaftsunternehmen ein interessanter Kandidat sein. Es wird von Unternehmensseite immer wieder betont, wie wichtig ihnen Bewerber mit der Fähigkeit zum eigenständigen, kreativen und kritischen Denken sind. Das mag schon so sein, solange es dem Betriebsergebnis dient. Nur sollte man nicht glauben, dass die Kritikfähigkeit auch dann noch gefragt wäre, wenn sie sich etwa gegen verkrustete Hierarchiestrukturen richten würde. Da ist es dann wohl schnell wieder vorbei mit der gepriesenen Offenheit für Kritik und originelles Denken.
Persönlich kann ich nur jedem davon abraten zu glauben, dass man sich mit der Philosophie allein sein Leben verdienen könne. Wer in seinem Beruf gutes Geld verdienen will, sollte sowieso von vornherein die Finger davon lassen. Philosophie ist mehr "Berufung" denn Beruf. Wer den nötigen Idealismus mitbringt, kann in einem Philosophiestudium sicherlich eine Menge für sich lernen. Er sollte aber auf jeden Fall zusehen, sich von Anfang an ein zweites Standbein aufzubauen. Und er sollte ja nicht glauben, dass die philosophischen Fragen im Philosophiestudium im Vordergrund stünden. Meist geht es mehr um kleinkariertes Pseudoargumentieren mit Autoritäten aus der Philosophiegeschichte (Kant, Hegel, Wittgenstein, Plato, XY sagt...). Mit etwas Glück gerät man aber an ein paar der wenigen wirklich guten Professoren, und dann wird's zur spannendsten (Neben-)Sache der Welt ...
Beste Grüße Bertold
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