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deutsch  Orientierungsschwierigkeiten&Gegenwartskritik...

Christian Bartels: emailCaBartels@gmx.de, 31.07.2001, 18:56



Hallo zusammen. Wollte nur mal meinen Text hier ausstellen und die Reaktionen darauf abwarten. Hoffe, ihr versteht ihn bzw. mich. Fragen und Anregungen dazu sind selbstverständlich erwünscht! Danke.



Nun gut; die Zeit ist da und schon wieder vorüber. Orientierung nach vorn oder doch lieber zurück. Sucht man nun den Halt oder den Trieb. Nun man weis es nicht , aber was weis man schon . was ist elementar und was ist so gut wie überflüssig? Worte mit seltsamer Prägung überhäufen unsere Gesichter. Ausdruck des puren Sein-Wollens. Aber leider nicht des seins. Trauer, nicht angebracht würde man sagen, Gefühle, schwer nach zu vollziehen. Ich find's Schade, aber was willst Du schon bewegen. Kein Zeichen von Resignation, vielmehr unterdrücktes Interesse. Hoffnung, die bleibt. Aber wie lange noch? Sagt mir eine Antwort, ihr elenden Wissenschaftler. Vernichter alles lebendigen, emotionalen. Selbst für meinen Hass habt ihr eine Erklärung, aber leider die falsche; denn sonst bräuchtet ihr keine. Komm mir vor wie ein Fassadenwäscher, oder ein Fassadenschauer... Apropos -Schauer: Früher schauten sie Ideen , heute schauen sie nur noch sich selbst. Reflektierende Fassade; wie ein beidseitiger Spiegel. Und da schon wieder; dieses paradoxe, absolut widersprüchig; aber ist ja sonst alles klar und geregelt. Ich meine, der Überfluss macht träge und so sollte man doch so schnell als nur eben möglich aus dieser konsumierenden Haltung- und sei es selbst der Konsum des unbelastenden - herausbrechen; in die verkommene Welt. Keine Weltveränderer mehr da? Keiner der unzufrieden ist? Kein Hunger auf dieser Welt? Das sind nicht die Fragen die uns alltäglich interessieren. Solange die Aufnahmebereitschaft des Menschen von aussen gesteuert wird, so lange werden die Menschen die ihr leben nach dem carpe diem leben möchten, jeden Tag von der blendenden, besitzergreifenden Realität erfasst und so lange nicht mehr losgelassen, wie sie bewusst den Tag er"leben". Aber das Leben hat schon lange aufgehört, so zu sein wie es mal war; kurz, hart, schmerzvoll, grau und absolut geprägt von der natürlichen Gewalt und des Rechtes. Aber scheuen wir uns doch mal unser heutiges Leben an. Es ist das genaue Gegenteil, wir sind frei und gleich, und alles ist bunt und leicht, wir brauchen keine Angst mehr vor der Natur zu haben, eher sie vor uns, denn ...
Kalkulation ist das Wunder aller Mittel. Alles wird berechenbar gemacht. Zu welchem Nutzen. Soll ich etwa an einem von mehreren Baggern aufgeschütteten Strand mit meterhohen Hochwasserschutzanlagen etwas landeinwärts spazieren gehen, an dem ich dann Muscheln sammeln will, wobei ich genau wie viele es davon gibt und wo die "Schönsten" liegen? Ist das der Zweck der ganzen Wissenschaft? Zu wissen, wann, wie und wo ich am wahrscheinlichsten sterben werde? Wie viele Kinder und Autounfälle ich wohl erfahren werde? Mann könnte, ja man müsste die ganze Welt beschreiben, wollte man nichts auslassen, was nicht der modernen Wissenschaft unterworfen wurde!
Werte sind da! In den Köpfen aller Menschen. Werte, wie Freiheit, Gerechtigkeit, Respekt, und allen weiteren wirklichen individuellen Eigenschaften, welche das Leben doch erst wirklich zu dem machen, was leben ist: lebendig. In jedem Stein etwas anderes sehen, den Atem eines anderen Menschen auf seiner Haut spüren, den Schnee unter seinen Füßen hören, den Duft des Feigenbaumes riechen und den Geschmack des wirklich süßen Lebens erfahren. Das sind Erfahrungen, individuelle, eigenartige Vernehmungen unserer Welt mit der wir leben. Wir müssen sie nicht erforschen. Sie hat uns im Vorhinein erforscht und uns in diese Welt hinausgesetzt. Konstruktionen, Abstrakte, Nichts. Tja, so läuft die Welt, antizyklisch, dem Ende entgegen. Ich würd's den anderen so gern sagen, wie's richtig schön ist, auf der Welt zu sein und zu leben, aber die meisten verstehen es nicht und schmunzeln nur. Selbstironie? Nein, nicht, dass sie's wüßten! Ihren Fortschritt bezahlen sie mit Rückschritt anderer. Weiter so! Den Abgrund hinter euch erwartet euch nun nur noch das Ende. Berg runter geht's immer einfacher, bequemer, schneller. Seltsame Parallele. Zieht den Graben nicht so lang; denn desto länger und schwerer wird es für die anderen werden, die Brücke darüber zu bauen. Zurücklaufen können wir alle nicht, aber überlegen, wo wir hinlaufen. Aber viel einfacher noch. Stehen bleiben kann keiner, auch wenn es viele meinen zu wollen. Der Schein als Erfahrung ist wichtig und lebendig, der lebendige Schein aber, vergänglich, tödlich. Das zu durchschauen, schaurig oder schön, es ist mehr als notwendig, denn es ist ehrlich.

Etwas selber zu glauben ist anstrengender als andere etwas glauben lassen. Das Tag für Tag zu sehen und zu sehen, wie das gerechte mehr und mehr vom Ich getrennt wird, veranlasst mich diese Texte zu schreiben und damit ein Stück Hoffnung zu vergegenständlichen: Damit die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches größer wird, dass diese Welt sich einmal versteht.  

Ja, wir leben.                                                                                                                                   C.B.4/01