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Azeptanz...
Alban, 13.05.2006, 08:34
Original:
Licht und Schatten (Heiko Schneer), 10.05.2006, 12:58
Hallo Heiko,
danke für deinen offenen Beitrag. Mir gefällt die Art, wie du schreibst...
Ich stimme mit dir überein, dass die Welt nicht Sinn hat, sondern, dass ich ihn ihr gebe. Ob du mir im zweiten gänzlich folgst, weiß ich nicht, doch entweder bin ich es ganz oder gar nicht. Ich gebe allem die Bedeutung, die es für mich hat. Daraus folgt für mich allerdings, dass ich mich im Kreise drehen muss mit all meinen Deutungsakten und Sinnzuschreibungen. Letzlich kann ich diese Urteile nur aus dem schöpfen, was ich in mir über mich selbst denke.
Dies heißt für mich allerdings nicht, dass ich verstehe, in der Tat verstehe ich nichts, was ich sehe, ich denke nur zu verstehen, zu kennen. Ich kann mich nicht selbst begründen und rechtfertigen, nur in diesem selbstreferentiellen Assoziationssystem - der Beziehung mit mir selbst - mich über den Mangel an Autorität und Ursprung hinwegtäuschen.
Das mit der vergeblichen Suche sehe ich auch so, doch komme ich von dem Ausganspunkt, dass die Welt eben völlig sinnlos ist. Solange du sagst, ein Teil von ihr sei gut, wirst du gezwungen sein, das "Gute" zu suchen und für dich zu mehren. Doch ist dir damit immer auch das "Schlechte" aufgezwungen. Doch wiederum, woher nimmst du diese Urteile, wenn sie nicht der Welt an sich eigen sind? So wird dies wiederum zu einer Frage dessen, wer du bist. Bist du ein Körper, so sind deine Urteile auf die Mehrung seiner Lust und der Sicherstellung seines Wohlbefindens und Überlebens gerichtet. Sodann bist du im Konflikt zwischen "Gut" und "Böse", in immer enger werdender Selbstverteidigung.
Bist du aber wirklich ein Körper? Du nennst es Hybris, dies nicht wahrhaben zu wollen. Damit hast du deine Gründe dargelegt, weshalb du Jesus Christus nicht akzeptieren kannst. Er ist der einzige, der in dieser letzten Konsequenz demonstriert hat, dass er kein Körper ist und in keiner Weise den Gesetzen dieser Welt unterworfen ist. Wenn es für ihn so ist, so muss es auch für dich so sein. Und was könnte dir dieses offenbaren, wenn du tatsächlich nicht ein Körper bist und nur kraft deiner eigenen Entscheidung in diesem Zustand bist, wenn nicht deine vollste Entschlossenheit, etwas anderes zu sehen, zu erfahren?
Deine Argumentation von der Unreife und der Hybris wäre zutreffend, wenn es nicht triftige Anzeichen dafür gäbe, dass deine Körperidentität nicht wahr ist. In der Wissenschaft genügt ein Fall, um eine als wahr angenommene Theorie zu Fall zu bringen. Dein Vorwurf wäre berechtigt, wenn es nicht eine tatsächliche Erfahrung gäbe, die die Idee des Körpers ad absurdum führt, ich meine eine Kommunikation mit jemandem scheinbar außerhalb von mir, die nicht mehr die zwischen zwei Körpern ist, sondern eine höhere Einheit voraussetzt. Dieses habe ich immer wieder erfahren, ein unmittelbares Erleben, den "Anderen" zu kennen, intim mit ihm verbunden zu sein, wie es eine rein sinnliche Begegnung nie zu zeigen vermöchte.
Ja, ich bin auch der Suche nach Glück, wie es jeder Mensch ist. Dies ist mein Problem: Ich suche dort Glück, wo es nicht sein kann. Diese Welt scheint mir Glück zu versprechen und anzubieten, doch zu welchem Preis?!!! Gewiss kennst du die Erfahrung, dass plötzlich eine "Glücks"-Erfahrung in eine Erfahrung von Hölle und Sprachlosigkeit umschlägt, nur weil du dich aus irgendeinem geringfügigen Anlass in deinem Denken schuldig fühlst. Die Anlässe sind oft lächerlich banal und unscheinbar. Welch ein treffender Grund, anzunehmen, dass meine Gedanken alle gleichermaßen bedeutungslos sind. Es kommt nicht auf ihren Inhalt an, sondern darauf, ob sie mich von meinem Nächsten trennen oder nicht.
Außerdem glaube ich sagen zu müssen, ich war, anders als du, nicht in der Lage, deinen Idealen zu folgen. Du magst das als Unreife bezeichnen, doch ich in meinem Denken war nicht in der Lage, mich der jämmerlichen und kreuzigenden Gedanken über alles und jeden zu enthalten, und wie wäre das möglich, wenn die Welt bereits in "gut" und "böse" eingeteilt ist, Urteile, die meinen Geist nicht verlassen können, sondern seine tiefe Gespaltenheit offenlegen. Ich bin süchtig nach Konflikt, nach Selbstbestätigung usw. Wie ein Alkoholiker sich unmöglich von selbst oder mit Hilfe einer Willensmacht eines anderen aus seiner tödlichen Sucht ziehen kann, so kann auch ich mich nicht aus meiner Gespaltenheit und meinem Konflikt ziehen. Wie jeder andere Getrennte und Gespaltene brauchte und brauche ich übermenschlichen Hilfe. Es hat einfach nicht funktioniert, in dieser Welt glücklich zu sein. Was es ist, was mich darin von dir unterscheiden mag, wer weiß. Vielleicht ist es eine Schnelle des Denkens und die damit einhergehende Unfähigkeit, meine Gedanken zu kontrollieren, oder einfach eine grundlegende Sucht nach Konflikt, oder eine Unfähigkeit, das Leiden "anderer" außer Acht zu lassen und nicht zu fühlen.
Nun sagst du:
»» Deine Lust am Leiden ist nicht Selbstübersteigung, sondern pubertär und unreif. Werd erwachsen! Akzeptiere die Beschränktheit deiner Möglichkeiten, aber die du hast, die nutze!
»» Dazu wünsche ich dir Glück. Erfolg. Und viel Humor. »»
Dem will ich insofern zustimmen, dass ich tatsächlich die Wahl habe und mich für ein eindeutiges Ziel entscheiden kann und muss. Doch dieses in dieser Welt verwirklichen zu wollen und als erreichbar zu sehen und daher die Macht meiner Akzeptanz auf die Bedingungen dieser Welt zu verwenden, ist Selbstverleugnung und Todessucht.
Gute Nacht....
Alban