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Licht und Schatten
Hallo Alban!
Ich will jetzt nicht auf alle Einzelheiten deiner Entgegnung antworten, vielmehr von der Empfindung sprechen, die sie bei mir auslöst: Ich bin wirklich erschreckt darüber, wie sehr du das Hier und Heute missachtest.
Unsere Existenz ist meiner Meinung nach genauso sinnlos wie sinnvoll. Sinn ist ja eine menschliche Erfindung, entsprechend immer eine subjektive Angelegenheit. Etwas hat nicht Sinn, sondern ihm wird Sinn verliehen.
Wenn du das nicht so sehen kannst, wirst du folglich immer nach etwas suchen, was es so nicht gibt, wirst einer Sehnsucht nach dem ganz Anderen folgen oder einer "Sucht", wie du es selbst so hart nennst. Dann ist es einfach, im Leben überall das Negative zu sehen. Aber das ist deine Sicht auf die Welt, das ist nicht die Welt.
Ich finde es einfach traurig, dass du etwas anhängst, dass dich blind macht für die Schönheiten des Lebens, die du als genauso unwirklich ablehnst wie die zweifelsohne vielen schlimmen Seiten dieser Welt. Mir geht nicht in den Kopf, wieso aus der Einsicht in die unendliche Beschränktheit des Menschseins diese humorlose Weltflucht folgt. Ehrlich gesagt halte ich sie für eine Art von Unreife. Sie kommt mir vor wie ein kleines zorniges Kind, das sich in seinem Trotz verbeist, weil es nicht alles bekommen kann, was es will, und dabei gar nicht mehr wahrnimmt, dass die Sonne scheint und die Nachbarskinder längst draußen zum Spielen sind.
Welche Hybris ist es doch im Gegenteil, darauf zu bestehen, dass der Mensch nicht durch seinen Körper begrenzt sei und bar dieser Gebundenheit endlich in ein fernes Zuhause heimkehren könne! Was auch immer uns irgendwann erwarten wird, wir wissen es nicht. Deswegen denke ich, dass die Verbohrtheit, mit der du nur das Schlechte in der Welt wahrnimmst, das Gute übersiehst und deine Energien in obskure Jenseitsträume investierst, fatal ist. Genau DAS macht dich krank, genau DAS lässt dich leiden - die Missachtung deiner Leiblichkeit, das Fliehen vor der Freude, die Sucht nach dem Unermesslichen, die fehlende Selbstliebe! Und nicht etwa die Sinnlosigkeit der Welt.
Letztlich bist du doch auch auf der Suche nach deinem Glück. Doch erschaffst du dir eine Welt mit immer größeren Hürden, die zu überwinden es Wunder bedürfte, letztlich unüberwindlichen Hürden, damit auch ja immer gewährleistet ist, dass du scheiterst. Das ist nicht Erleuchtung, das ist Schizophrenie - ein Irrweg, im wahrsten Sinne des Wortes. Du brauchst nicht einen "Kurs in Wundern", von dem du in deiner Antwort an Bud erzählst, du brauchst einen "Kurs im Einfachen".
So sehr du dir auch einredest, das dein Leben nicht auf deinen Körper beschränkt sei, du wirst aus deiner Haut nicht herauskönnen. Und im Grunde deines Herzens weißt du das auch. Daher rührt auch die Inkonsequenz deiner Weltsicht: die Weltflucht- und Allwesen-Fantasien einerseits und das unaufhörliche Lamento über die Beschränktheit des Menschens andererseits. Wenn der Geist nicht an den Körper gebunden ist, dann flieg! Wenn du aber nicht fliegen kannst, dann akzeptier das und hör endlich auf zu jammern!
Deine Lust am Leiden ist nicht Selbstübersteigung, sondern pubertär und unreif. Werd erwachsen! Akzeptiere die Beschränktheit deiner Möglichkeiten, aber die du hast, die nutze!
Dazu wünsche ich dir Glück. Erfolg. Und viel Humor.
Heiko