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deutsch  Suchen oder Finden

Joh: emailjoh.zacher@t-online.de, 28.12.2002, 23:55
Original: deutsch  Suchen oder Finden (Roger Pfau), 05.12.2002, 10:17



Lieber Roger,

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Es scheint ein allgemein anerkannter Grundkonsens zu sein, daß man
Menschen in gewisser Weise "über einen Kamm" scheren kann/darf, d.h. daß
von einem Menschen verlangt werden darf, so zu funktionieren, nicht wie
es seine innere Weltsicht verlangt, sondern so, wie es die anscheinend
"objektivierte" Sicht seiner Sozietät verlangt. Darauf basieren alle
menschlichen Gemeinschaften und - meiner unbedarften Ansicht nach - alle
wesentlichen menschlichen Probleme.
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Ich werde versuchen von diesem Zitat aus Deiner letzten mail an die
Grundfrage meiner Anfangsmail anzuknüpfen. Dies allerdings nicht ohne
vorneweg zu schicken, daß mir obiges Zitat sowohl sympathisch ist als
auch einleuchtend.
Daß was Du als "wesentliche menschliche Probleme" bezeichnest, die in
der Basis aller menschlichen Gemeinschaften gründen, sind Probleme erst,
wenn man grundlegend von der Notwendigkeit zur Kommunikation ausgeht.
Ist dies nicht der Fall wirken sie wie "über einen Kamm" geschoren, also
in Sinne einer Einengung von Individuen. Genau diese Einengung aber ist
nicht hinderlich, sondern sie ist eine Notwendigkeit bei der
Individualisierung des Menschen. Die Notwendigkeit bestehet darin, daß
ich über die Differenz zu meinem Selbstbild; zu meiner Individualität
bestenfalls zu meinem Selbst, gelange. (Wobei das Wort Individualität in
meine Augen bis zum erbrechen überladen ist mit mißverständlichen
Glücksverheißungen) Um Differenzen entweder sichtbar zu machen oder als
garnicht existent zu beschreiben, bin ich auf die Kommunikation
angewiesen. Sie selbst ist grundlegendes Ausdrucksmittel und
Meßinstrument der Differenz, während Sie gleichzeitig Gegenstand der
Untersuchung sein muß die anhand ihrer selbst durchgeführt wird. Das ist
ein Dilemma.
Dieses ließe sich entsorgen indem man eine der "bösen" Grundlagen
abschafft. Z.B. das Böse über einen Kamm scheren. Doch damit verläßt man
wie in Deinem Zitat gesagt, einen Grundkonsens menschlicher
Gemeinschaft; ich würde (moralist der ich bin) sogar sagen der
Menschlichkeit. D.h. ich kann das Problem lösen indem ich seine  
Grundlage abschaffe. Dies würde im Falle unseres Dialogs zB. bedeuten
Kommunikation als nicht notwendig zu deklarieren. Philosophierend ist
Kommunikation aber notwendig, sonst müsste ich daß Philosophieren
einstellen und könnte getrost "alleine abdrehen".
"...wenn ich für mich in absoluter Einsamkeit der Wahrheit gewiß wäre,
dann erledigte sich das Bedürfnis nach Kommunikation von selbst."
Sinngemäß K.Jaspers.
Deswegen, um endlich mal anzuknüpfen, war meine ursprüngliche Frage
nach dem Picasso Zitat damit verknüpft ob es eine Lösung auf Basis
unserer, als grundlegend notwendig erachteten Kommunikation gibt, oder
ob die Lösung nur im Sprengen dieser Grundlagen liegen kann.

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"Wenn DU es nicht kannst, nützt es DIR nichts, daß ein anderer Mensch
das entsprechende Vermögen entwickelt hat."
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In diesem Sinne nochmal ganz neu formuliert: Wie räumt man gegenüber
Picassos Satz, daß Mißtrauen aus, er habe einfach und billig nur die
Grundlagen der Kommunikation verlassen  und reicht an jeden "in
concreto" durch, was viele als schwer empfinden, nämlich Suchen UND
Finden? Dies alles allerdings mit dem Anliegen diesem Satz zu seinem
"Recht" zu verhelfen, ihn gegen die "einsame" anfeindung in mir zu
verteidigen.



Mit freundlichen Grüßen, besten Dank für die Kommunikation in diesem
Jahr :-)  und guten Wünschen für das neue Jahr.

joh