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deutsch  ontologischer Gottesbeweis

js: email21blitz@gmx.de, 26.09.2002, 13:49
Original: deutsch  ontologischer Gottesbeweis (Roger Pfau), 02.08.2002, 16:58



»» Auch wenn ich mir keineswegs sicher bin, ob eine Diskussion über den ontologischen Gottesbeweis in einem Forum über interkulturelle Philosophie wirklich angebracht ist, scheint es mir dennoch zumutbar zu sein, da im Forum ja schon zuhauf Themen behandelt wurden, die mit Interkulturalität nur SEHR indirekt etwas zu tun haben.
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»» Der ontologische Gottesbeweis, wie er von Anselm von Canterbury "klassisch" formuliert wurde, dürfte bekannt sein (in komprimierter Form: daraus, daß in unserem Denken ein Begriff des Transzendenten vorhanden ist, kann auf die Existenz dieses Transzendenten per se - also unabhängig von unserem Denken - geschlossen werden). Ebenso bekannt dürften die verschiedenen formallogischen Widerlegungen sein, gipfelnd in Kants Nachweis der Verwechslung von Prädikat und Existenzquantifikation.
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»» Die Frage, die mich dabei beschäftigt, ist die, ob eine formallogische Widerlegung, die zweifelsohne korrekt ist, dem ontologischen Charakter des Beweises gerecht wird. Anders ausgedrückt, ich würde mich "besser fühlen", wenn eine Widerlegung die Voraussetzungen des Beweises nicht sprengen würde, sondern es gelänge, Anselm nachzuweisen, daß dieser Beweis nie existiert hat, weil er nur aufgrund der Verletzung seiner eigenen Voraussetzungen konstruiert werden konnte. Bei der formallogischen Widerlegung à la Kant habe ich immer das Empfinden, als reiste ein europäisch aufgeklärter Wissenschaftler nach Afrika, um dort einem Medizinmann seine wissenschaftlichen Irrtümer nachzuweisen, obwohl der doch in seiner täglichen Praxis ständig erfährt, daß seine Rituale funktionieren (und damit ist meine Frage auch in einen Zusammenhang gestellt, der sie zumindest tragbar erscheinen läßt im Rahmen dieses Forums - ist es nicht das, was das Abendland der restlichen Welt angetan hat: deren Voraussetzungen in Geringschätzung zu übergehen?).
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»» Ein Gedankengang zur !ontologischen! Widerlegung des ontologischen Gottesbeweises:
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»» "Gott" hat zur Zeit Anselms den Weg von immanenten Gott zum transzendenten Gott bereits vollkommen absolviert, d.h. Anselms Gott ist ein rein transzendenter. "Transzendenz" ist aber etwas, über das per definitionem nichts weiter gesagt werden kann, als daß sie gedacht werden kann. Insbesonders können ihr weder Prädikate noch Attribute zugesprochen werden, ohne ihre Definition (als das, was über jedes menschliches Sprechen und jede menschliche Erkennbarkeit hinausgeht) zu verletzen (was eben nicht dasselbe ist wie die Auffassung von "Existenz" als Prädikat einer Entität).
»» Insbesondere wäre das Argument, daß aus einer "vollkommenen Idee" - Gott - notwendig ihre Existenz erfolgt (da ihre Nichtexistenz ihrer Vollkommenheit widerspräche) ein Sprechen über Transzendentes und damit ein Verstoß gegen die Voraussetzungen des Beweises.
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»» Irgendwelche Kommentare oder Gedanken hierzu?

Gedanke: Ist eine Nichtexistenz denn nachweisbar?