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Hallo, Joy
***************************************************************** »» meiner Meinung nach erfüllt rationales Denken für den Menschen den Zweck, beim Streben nach dem Idealen ... praktisch und logisch abwägen zu können. Unser rationales Denken kalkuliert also quasi, wie wir auf dem schnellsten und effizientesten Wege das "Ideale" erreichen. *****************************************************************
Das rationale Denken ist ein Werkzeug, zweifelsohne. Mein Problem damit beginnt an der Stelle, an der dieses Werkzeug Entscheidungen beeinflußt oder sogar evoziert, die in den Bereich des Ethischen fallen.
***************************************************************** ... beim Streben nach dem Idealen, in welchem, wie ich glaube, unser subjektiver "Sinn des Lebens" liegt, ... *****************************************************************
Wenn dieses Ideale nun darin besteht, aufgrund rationaler Erwägungen 20000 Arbeitsplätze weg zu rationalisieren, oder darin, eine militärische Operation durchzuführen, die tausend Leuten oder auch nur einem einzigen das Leben kostet, so hängt die Effektivität der Umsetzung dieses Idealen sicher hochgradig vom Ausmaß der rationalen Durchdringung der Aufgabenstellung ab. Genau diese Loslösung macht rationales Denken aber suspekt.
***************************************************************** »» Unser ethisches Denken hingegen, macht uns zu "gesellschaftsfähigen" Lebewesen (was notwedig ist, da der Mensch schließlich so "konstruiert" ist, dass er nur in der Gesellschaft seiner Artgenossen überleben kann). *****************************************************************
Offensichtlich nicht wirklich. Oder, um es genauer zu sagen: Menschen leben genauso sehr von ihrer Integration in Gemeinschaften, wie sie andererseits der Abgrenzung bedürfen, um ihre "Ideale" durchzuziehen. Ein islamisches Sprichwort besagt, paraphrasiert: "Ich gegen meine Brüder. Ich mit meinen Brüdern gegen meinen Clan. Ich mit meinen Brüdern und meinem Clan gegen mein Dorf. Ich mit meinen Brüdern, meinem Clan und meinem Dorf gegen mein Land. Und ich mit meinen Brüdern, meinem Dorf und meinem Land gegen die ganze Welt."
"Wir" hier, die westlich-abendländische, wohlhabende Welt, gegen "die" dort. "Wir" hier benötigen diese Differenzierung, um gegen "die" dort unsere Ansprüche zu sichern, und dies geschieht mit hoher Effektivität, basierend auf Talleyrands hochgradig rationaler Feststellung, daß bei diplomatischen Verhandlungen überlegene Feuerkraft von entscheidender Bedeutung ist. !!Hinterher!! bedauern wir sehr, daß die Hottentotten ausgerottet werden mußten; trotzdem bestehen wir darauf, unter uns weiterhin als Menschen und nicht als Bestien angesprochen zu werden, und pochen auf ethische Maximen, denen wir angeblich verpflichtet sind, bis eben mal wieder eine Gruppe von "den anderen" im Wege steht.
Unter anderem dies meinte ich damit, daß sich Ethik unter den Einflüsterungen rationalen Denkens wie eine läufige Katze verhält. Auch Empathie, Mitleid u.dgl. wählen sich Gruppen von "Wirs" aus, innerhalb derer sie angewendet werden; und dies stimmt innerhalb beinahe jeder Gruppe von "Wirs" - auch für Neonazis (was ein wichtiger Einwand gegen die Auffassung Gaiasons zu sein scheint). Neben diesen faktischen "Wirs" gibt es natürlich immer auch die proklamierten "Wirs" - "wir Menschen" wäre so eine Gruppe, aber zwischen Proklamation und Faktizität klafft eben immer wieder die Kluft der Realität. Und in der scheinen Ethik und rationales Denken nicht das mindeste miteinander zu tun zu haben, so meine Vermutung, für die ich immer noch eine gute Widerlegung suche :-)
»» Gruß, Roger
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