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Hallo Philipp!
Nur ein kurzer Einwurf zu deiner Frage: Wozu sollte ein völlig abgeschieden lebender Säugling denn moralische Werte lernen, wo er doch sowieso ganz allein ist und auf niemanden Rücksicht zu nehmen braucht? Auf was ich hinaus will: Moral ist immer auf Intersubjektivität verwiesen. Da diese Relation auch umgekehrt gelten muss, um ein halbwegs geordnetes menschliches Miteinander zu ermöglichen, ergibt sich die intersubjektive menschliche Grundkonstellation als Ort, in dem Moralbewusstsein als eine pragmatische Notwendigkeit entsteht und gelernt wird.
Nun ist es aber ja nicht so, dass die Ausbildung eines Moralbewusstseins auch einheitliche moralische Orientierungen nach sich ziehen würde; sie sind vielmehr personell und kulturell verschieden, gleichzeitig gibt es einen fundamentalen Kern von gleichen oder ähnlichen moralischen Grundsätzen, der in allen menschlichen Kulturen vorhanden ist, wenn auch meist unterschiedlich gewichtet. Das konkrete moralische Lernen eines Individuums findet nun kaum in ursprünglichen Konfliktsituationen statt, aus denen vernünftige moralische Grundsätze gefolgert würden, sondern vor allem in der gesellschaftlichen Vermittlung derartiger Grundsätze. Da sich die gesellschaftliche Realität jedoch Änderungen unterworfen ist, hat dies - allerdings keineswegs notwendigerweise - einen Wandel entsprechender moralischer Grundsätze zur Folge, meist in beträchtlichem zeitlichen Abstand.
Die bekanntesten Untersuchungen zur moralischen Entwicklung hat ab den 60er Jahren der amerikanische Psychologe Lawrence Kohlberg initiert. Er weist sechs Stufen normativer Urteile aus. Mehr dazu zum Beispiel hier: http://www.ccp.uchicago.edu/grad/Joseph_Craig/kohlberg.htm Auch wenn Kohlbergs Theorie nicht mehr den neuesten Stand der Forschung repräsentiert, ist sie in ihren Grundannahmen doch kaum widersprochen und stellt damit zumindest eine interessante Ausgangsthese für weitere Untersuchungen dar.
Beste Grüße Bertold Bernreuter
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