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deutsch  Rationales Denken und Ethik

Roger Pfau: emailropf@leute.server.de, 17.06.2002, 17:04
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Hallo, Forum

Eine Frage, die mir immer noch und immer wieder auf´s Neue unter den Nägeln brennt, ist die nach dem Verhältnis zwischen rationalem Denken und ethischen Handlungsmaximen.

Es scheint mir so zu sein, daß es philosophiegeschichtlich neben vielen anderen Entwicklungssträngen vor allem den einen Strang gab, in dem es um die Herausbildung der Prinzipien rationalen Denkens geht, also um die Frage, mit welchen denkerischen Mitteln ich realen Erkenntniszugewinn erzielen kann, sowie den anderen, in dem eben die Frage ethisch begründeter Handlungsmaximen thematisiert ist. Betrachte ich nun den Zustand der Menschheit, so will es mir so vorkommen, als seien diese beiden Stränge niemals wirklich zusammengekommen.

Wenn heute von "rationalem Denken" die Rede ist, so ist damit in der weitaus größten Zahl der Fälle die  - zudem idealisierte - Art professionellen, zielgerichteten Denkens von Bankiers, Wirtschaftsfunktionären, Wissenschaftlern u. dgl. gemeint - ohne daß diese Art des Denkens auf diese Berufsgruppen beschränkt bliebe. Selbstverständlich verweisen alle, wirklich alle, auf die ethischen Maximen, denen ihr Tun und Denken angeblich verpflichtet sei, aber, wie gesagt, siehe den Zustand der Menschheit.

Haben also, kurz gefragt, rationales Denken und Ethik IRGENDEINEN inneren Bezug zueinander? Oder ist es so, daß rationales Denken -  das mir oft genug als ein ad hoc und ex post facto rechtfertigendes Denken vorkommt (erst rotten wir die Ureinwohner mal aus, dann finden wir Gründe dafür, daß es unerläßlich war) - und Ethik zwei unterschiedliche Arten des Umgangs mit der Welt generiert haben, die letztlich nichts miteinander zu tun haben? Wobei ich aus böser Erfahrung noch hinzufügen möchte, daß gerade dort, wo Ethik zu sehr den Einflüsterungen rationalen Denkens ausgesetzt ist, sie sich verhält wie eine läufige Katze.

mfG Roger Pfau