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Hallo Paul
»» Ich bin 16 Jahre alt, und bin durch 'Sophies Welt' auf die Philosophie gekommen.
Das ist wirklich ein schoenes Buch und ein "sanfter" Einstieg!
»» aber immer mehr habe ich das Gefühl das die Philosophie dem wahren Sinn des Lebens am nähesten kommt, für mich ist sie der Sinn des Lebens.
Damit bist du aber schon ganz schoen tief drin im Philosophieren. Eigentlich will die Philosophie ja die Frage nach dem Sinn des Lebens diskutieren, aber nicht unbedingt selbst die Antwort darauf sein. Dennoch gibt es eine philosophische Haltung, die darin besteht, dem Sinn des Lebens dadurch "nahe zu sein", indem man darueber reflektiert. Man koennte das als Meditation bezeichnen. Indem man solche Fragen wie die nach dem Sinn des Lebens ernsthaft im Kopf mit sich rumtraegt und den Ideen und Argumenten, die damit verbunden sind, im eigenen Kopf Raum gibt, "lebt" man gewissermassen philosophisch. Es gibt aber auch philosophische Richtungen, die genau so etwas kategorisch ablehnen und sagen, das sei nur Gefuehlsdusel. Tja, du siehst, Philosophie besteht darin, dass keiner Recht hat ;-)
»» Ich habe schon einige Nachrichten dieses Forums gelesen, und bin nun etwas unsicher da sich offensichtlich viele dieser Besucher viel intensiver mit Philosophie beschäftigen als ich.
Darueber mach dir mal keine Gedanken. Wer denkt, wird unter Denkenden ernst genommen. Egal wie alt er ist und wie viel er schon "weiss". Wissen und Erfahrung koennen helfen, bekannte Fehler zu vermeiden. Aber sie sind kein Ticket fuer eine "hoehere Gesellschaftsschicht", zu der man als jemand, der noch nicht alles gelesen hat, keinen Zutritt hat. Wo immer Menschen sind, die dir aus solchen Gruenden den Zutritt verweigern, solltest du frohen Mutes wieder abziehen und froh sein, da nicht reingeraten zu sein ;-)
»» Ich bin fasziniert von der Tiefe der Philosophie und dem ständigen Streben nach mehr Erklärungen, mehr Wissen, das Streben ein 'verstehender' Mensch zu werden.
Oh ja, das mit dem "Verstehen" ist wirklich ein ganz zentraler Punkt. Und vielleicht auch der zentrale Begriff fuer interkulturelles Philosophieren. Ich merke immer mehr, dass es keinen schoeneren Erfolg gibt als den, sich verstaendlich gemacht zu haben.
»» Mich frustriert jedoch die passive Rolle der Philosophie (dies ist zumindest der Eindruck den ich gewonnen habe), das sie nur ein Mittel ist um zu verstehen, nicht zu verändern.
Und dabei hast du noch nicht mal die akademische Philosophie von innen kennengelernt. Ich sag dir, da geht's genauso zu wie ueberall sonst im akademischen Bereich: "wenn der Prof. XY innerhalb der naechsten zehn Jahre abkratzt, krieg ich noch vor dem vierzigsten Lebensjahr meine C3-Professur (sofern ich bis dahin mehr Publikationen vorweisen kann als Konkurrenz YZ)" ... was allerdings das Verhaeltnis von Verstehen und Veraendern betrifft - das ist auch eine interessante Frage. Es gibt tatsaechlich Leute, die alles nur verstehen wollen, aber niemals auf die Idee kommen, irgendwas zu veraendern. Dann gibt es Leute, die alles veraendern wollen, aber irgendwie nix von allem verstehen. Naja, und dann gibt es zum Glueck auch noch solche, die verstehen wollen und bereit sind, die Konsequenzen ihrer Bewusstseinswandel zu tragen. Das sind dann Leute, die etwas veraendern. Oft nicht spektakulaer, aber innerhalb ihres Wirkungskreises doch ganz beachtlich.
»» Es scheint, als ob jeder Versuch eine konkrete Antwort zu finden, in einer Sackgasse endet und dies vermittelt das Gefühl, trotz Anstrengung doch nichts erreicht zu haben. Ein gewisser Nachgeschmack des 'Unwissens' begleitet mich und mein Denken...
Och, das ging dem Sokrates auch schon so. Und weisst du, wie er reagiert hat? Mit Humor!
viele Gruesse Stefan Muenz
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