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Lieber Stephan,
mir scheint es, als hättest auch Du das Christentum in seiner Lehre ein wenig mißverstanden, so wie es viele tun. Glaube ist im eigentlichen Sinne, nichts, was man Dir vorschreiben kann. Er entspringt Dir selbst, Deinem Herzen. Du entscheidest, woran Du Dich halten möchtest, und was für Dich "wahr" ist. Natürlich ist dies auf keinen Fall einfach. Und hier siehst Du, das Glaube nicht unbedingt eine Erleichterung des Lebens bedeuten muß. Er hat auch viel mit Frustration, mit Erkennung eigener Grenzen und dem ewigen Suchen nach dem Wesen der Welt zu tun. Auch als glaubender Mensch erlebt man wahnsinnig schwere Zeiten, in denen man auch an seiner Überzeugung zweifelt uns schwankt, jedoch durch sie ebenso Kraft schöpfen kann.
Wußtest Du, daß Jesus gepredigt hat, aus seiner Lehre keine Gesetze zu machen? Daß er gegen die Schriftgelehrten war, die aus allem Regeln und Ordnungen machen wollten? Daß er gegen die obersten Gläubigen war, die trotz ihrer Religionsvorschriften zu Egoismus neigten und nach eigenem Vorteilsstreben trachteten? Religion beschreibt immer, was der Mensch aus Glaube macht. Es ist ein Bündel aus Vereinfachung durch Traditionen und Ritualen, die oft von Menschen gemacht werden, damit man auch den "einfachen Mann" erreicht. Zum Beispiel ist es in Deutschland nach der christlichen Lehre Brauch, Kinder zu taufen... davon steht jedoch nichts in der Bibel. Dies ist eine Tradition, welche im Mittelalter von den Menschen begonnen wurde und bis heute überlebt hat. Eigentlich ist es traurig, daß sich auch die reformierte, evangelische Kirche oft mehr von Tradition als von dem Inhalt ihrer heiligen Schrift leiten läßt.
Das dogmatische Bild, was durch die Zeit der Inquisition oft vom Christentum vermittelt wird, ist zum Beispiel aus menschlicher Hand entstanden... es steht nichts darüber in der Bibel und außerdem irren wir bekanntlich auch hin und wieder. Gott hat uns mit einem freien Willen erschaffen und wir selbst können entscheiden, ob wir mit ihm gehen oder ohne ihn. Er lädt uns ein und liebt uns... das ist eine Lehre des Christentums... eine persönliche Beziehung zu Gott, dessen Wegen wir nicht mit unserem Verstand nachvollziehen können.
Wußtest Du auch, daß sieben Tage, nicht wirklich sieben Tage sind? Für den christlichen Gott gibt es Zeit in unserem Sinne nicht... ein Tag kann Jahrmillionen bedeuten und Jahrmillionen können auch nur ein Tag für Ihn sein. Früher, wie Iris schon sagte, hatten die Menschen noch nicht so viele wissenschaftliche Erkenntnisse und dachten viel mehr in Bildern. Symbole wurden viel mehr benutzt und verstanden, als wir es heute tun. Deshalb ist das Alte Testament auch so schwer für uns verständlich. Es wurde von Menschen mit einer anderen Denkweise verfaßt. Ist Dir eigentlich schon mal was an der Reihenfolge aufgefallen, in welcher Gott die Welt erschaffen hat? Sie mal ganz genau hin... erkennst Du nicht Ähnlichkeiten mit der Evolotionstheorie? ( Genesis 1...Schöpfungsgeschichte)
Oft entstehen Einstellung, welche Du vertrittst durch Unwissenheit und die Verzerrung des christlichen Glaubens durch die Medien. Alles wird in einen Topf geschmissen und zum Teil nicht richtig ausgelegt oder nur halbrichtig bzw. unvollständig wiedergegeben. Die Zeugen Jehovas werden nicht umsonst nicht als wirklichen Glauben anerkannt, weil sie aus der Bibel ihre eigene Schrift verfaßt haben und sie ganz anders ausgelegt haben. In der Bibel steht zum Beispiel nichts von keiner ärztlichen Versorgung oder Ähnliches.
Also, vielleicht solltest Du Dich einfach noch mehr über Religionen informieren... lies doch mal Teile des neuen Testamentes oder unterhalte Dich mit Christen über ihren Glauben. Ich möchte Dich hier nicht bekehren... sondern Dir nur andere Aspekte zeigen, die einem oft nicht erklärt werden.
Warum siehst Du in dem christlichen Glauben eigentlich mehr Begrenzung als Befreiung? Warum stellst auch Du Gläubige fast schon als Geblendete dar?
Viele liebe Grüße,
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