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deutsch  Wahrheit... ein zu subjektives Thema?

Annelie: emailLothar.Rothe@t-online.de, 09.11.2000, 22:45



Liebe Iris,

vielen Dank für Deine Antwort auf meinen Beitrag... Es ist immer schön die so interessante Meinung anderer zu hören! (Wie Du selbst sagtest).
Um so mehr war ich berührt von den gleichen Gedanken, die wir teilen. Auch ich bin oft deprimiert darüber in einer solchen geistigen sowie auch räumlichen Begrenzung leben zu müssen. Ist nicht, was wir heute in der "fortschrittlichen" Welt, wie sie fälschlicher Weise oft genannt wird, verspüren,  ähnlich der Unzufriedenheit, welche Sokrates schon in der Antike empfand?
Obgleich wir durch Technologie, Wissenschaft und Forschung so viele neue Erkenntnisse gewonnen haben, scheint es mir manchmal als wären wir auch nicht schlauer als zuvor. Nun sitze ich vor diesem Computer und frage mich, ob das, was ich hier eingebe, wirklich von mir stammt... Weißt Du, was ich meine? Woher kann ich wissen, daß meine Gedanken wirklich meine sind... woher weiß ich, wo und wer ich bin?

Du sagtest, was wäre, wenn man das Motiv unseres Spiegelbildes klar und deutlich begrenzen und erkennen kann. Vielleicht bin ich noch zu jung, um dies zu beurteilen, dennoch denke ich, daß ich mich selbst wohl nie wirklich eindeutig und konkret einkreisen kann, denn befinden wir uns nicht in einem stetigen Veränderungs-, Lern- und Reifeprozeß? Außerdem glaube ich, daß ein Spiegelbild immer noch nur ein Abbild ist und niemals der "wirklichen Wirklichkeit" entspricht; verzerrt und seitenverkehrt kann es sein.... Meinst Du, daß man als Mensch diesen Punkt erreicht, an welchem man sagen kann, ich habe mich wirklich erkannt?
Es wäre schön, wenn es ihn geben würde und er erreichbar ist, denn dann, glaube ich, ist man in der Lage, Frieden mit sich selbst zu schließen und innere Harmonie zu erlangen.

Sicherlich können wir über die Realität nur spekulieren und keine richtige oder falsche Lösung festsetzen, doch ich denke auch, daß man sich mit diesem Problem auseinandersetzend immer mehr Einsicht findet, man achtet mehr auf  Details, sieht den Menschen auf der Straße ins Gesicht und freut sich darüber mit ihnen gleichzeitig zu leben. Oft bedrückt diese Bindung an unsere Erde mich jedoch trotzdem, und ich wünsche mir, für einen Moment meine menschliche, subjektive Sicht und Wahrnehmung zu verlieren und die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist... Doch wäre sie dann nicht meine. Wäre es nicht wahnsinnig spannend, wenn ich für einen Tag mit Deinen und Du mit meinen Augen das Leben betrachten könnte? Was würde dabei wohl herauskommen?

Glaube ist für mein Leben sehr wichtig... Was mir nur immer wieder hart zusetzt, ist die Tatsache, daß andere es als Flucht, als Vereinfachung sehen. Natürlich bietet dieser Glaube, welcher, wie Du sagtest, nicht diktiert ist, einen gewissen Halt, dennoch bringt er Konflikte und innere Kämpfe mit sich, die nun wirklich nicht so einfach beiseite gestellt werden können. Wie auch schon Kant sagte... die Vernunft kann über Glaube nicht entscheiden.... sie kann nicht alles erfassen, an bestimmte Dinge glaubt man oder nicht...


Alles Liebe,

Annelie

PS: Was wäre, wenn wir alle nur Teile eines Puppenspiels wären, in dem den Darstellern ein begrenzter freier
      Wille gegeben ist? Worin würdest Du Argumente sehen, daß wir es nicht sind?